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Muskuläre Dysbalancen

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Ute Dirschauer

Detlef Nietsch

Muskuläre Dysbalancen

Muskelbalance ist das harmonische, funktionelle Zusammenspiel von tonischer und phasischer Muskulatur. Kommt es zu einer Störung dieser Funktion, so spricht man von einer Muskeldysbalance. Die tonischen Muskeln werden hyperton und verkürzen sich, die phasischen Muskeln werden hypoton und atrophieren.

Entstehungsursachen einer Dysbalance können unter anderem sein:

1.                              Trauma

2.                              Einseitige Belastungen im Alltag, Sport, Beruf und Hobby

3.                              Psychische Streßsituationen

Es kommt zur Veränderung der Funktionsfähigkeit der Gelenke und damit auch der Bewegung und zur Fehlstatik des gesamten Bewegungsapparates.

Die muskuläre Dysbalance setzt die Belastbarkeit des Bewegungsapparates herab. Die Verletzungsanfälligkeit der Muskulatur wird erhöht: Es kommt vermehrt zu Muskelzerrungen, Sehnenansatzbeschwerden treten gehäuft auf. Gelenke und Wirbelsäule werden durch das gestörte Muskelspiel überlastet und reagieren mit Reizzuständen.

Muskuläre Dysbalancen

  • anfänglich geringe Einbußen in der

sportlichen Leistung

  • Störung der Koordination
  • verminderte Beweglichkeit
  • Ausweichbewegungen = Zeitverlust
  • Überlastungssyndrome an Sehnen,

Bändern und Gelenken

  • verlangsamte Reaktion
  • schnelle Ermüdbarkeit
  • Verletzungsrisiko ist erhöht
  • Sportschäden

Muskelfunktionstest

Tests zur Prüfung von Muskelverkürzungen im Beckengürtel

  • 1. Hüftbeuger
  • Miopsoas
  • M. rectus femoris
  • M. tensor fasciae latae
  • Oberschenkeladduktoren

Orientierende Tests

Der Patient liegt auf dem Bauch, hat die Beine gestreckt, die Füße hängen über das Ende der Untersuchungsliege, damit die Knie nicht gebeugt sind. Die Hände des Untersuchenden ergreifen das Becken des Untersuchten von dorsal und drücken es auf die Unterlage.

Bei einer Verkürzung des Iliopsoas spürt man dabei eine nicht zu überwindende Hüftbeugung. Wird aus der oben beschriebenen Lage heraus das Knie passiv gebeugt, kommt es bei verkürztem Rectus femoris (zweigelenkiger Muskel) zur Hüftbeugung mit gleichzeitiger Vertiefung der Lendenlordose.

Eingehende Prüfung

Der Patient liegt auf dem Rücken so auf der Untersuchungsbank, daß beide Beine vollständig über das Ende der Bank hinausragen. Die Bank schließt mit den Gesäßfalten ab. Er winkelt das nicht zu untersuchende Bein an, umfaßt das Kniegelenk mit beiden Händen und zieht den Oberschenkel an den Körper, so daß die Lendenlordose vollständig ausgeglichen ist. Der Oberschenkel des zu untersuchenden Beines hängt in Verlängerung der Rumpfachse waagerecht über das Ende der Untersuchungsliege hinaus. Der Unterschenkel hängt senkrecht nach unten.

Bei der Funktionsprüfung drückt der Untersucher leicht auf den über die Liege hinaushängenden Oberschenkel und bringt ihn bis knapp unter die Horizontale. Auf diese Weise erreicht man eine leichte Überstreckung im Hüftgelenk. Außerdem kann das Knie passiv weiter als bis 90 Grad gebeugt werden.

Das beschriebene Manöver ist bei Muskelverkürzungen nicht möglich. Bei einer Verkürzung des Iliopsoas erreicht das freihängende Bein nicht die Null-Grad-Stellung in der Hüfte, sondern es bleibt eine leichte Hüftbeugung bestehen.

Bei einer Verkürzung des Rectus femoris erreicht der hängende Unterschenkel keine Beugung um 90 Grad im Kniegelenk, sondern bleibt etwas nach schräg vorn gestreckt. Begibt sich der Oberschenkel bei dem Testmanöver in eine leichte Abduktionshaltung, ist der M. tensor fasciae latae verkürzt.

Die Oberschenkeladduktoren werden in Rückenlage des Patienten geprüft. Dabei ist das nicht zu untersuchende Bein im Hüftgelenk leicht abduziert (ca. 15 Grad). Der Untersucher fixiert mit einer Hand das Becken des Untersuchten über den Beckenkamm und tastet dabei die Bewegung der Trochanterspitze. Mit seinem anderen Arm bewegt er das zu untersuchende Bein, welches im Kniegelenk gestreckt gehalten werden muß.

Zunächst werden die eingelenkigen - kurzen Adduktoren geprüft, indem das gestreckte Bein bis zum Ende der Bewegungsmöglichkeit abduziert wird. Aus dieser Stellung heraus werden die langen zweigelenkigen -Adduktoren geprüft, indem jetzt das Bein in der Hüfte weiterhin gestreckt gehalten, jedoch im Kniegelenk leicht gebeugt wird.

Sind nur die kurzen Oberschenkeladduktoren verkürzt, kann bei diesem Manöver eine weitere Zunahme der Abduktion erreicht werden. Sind auch die langen Adduktoren verkürzt, ist bei gebeugtem Knie keine weitere Abduktion möglich.

2. lschioerurale Muskulatur

Orientierender Test

Der Untersuchende liegt flach auf dem Rücken. Er wird aufgefordert, eine senkrechte Sitzposition mit ca. 90 Grad Hüftbeugung einzunehmen, ohne die Beine dabei in irgendeiner Weise anzuwinkeln.

Eingehende Prüfung

Der Untersuchte liegt flach auf dem Rücken. Er hat zum Ausgleich der Lendenlordose das nicht zu untersuchende Bein in Hüfte und Knie gebeugt und den Fuß flach aufgesetzt. Das zu untersuchende Bein wird in Neutralstellung gestreckt flach auf der Liege gehalten. Der Untersucher hält mit einem Arm das zu untersuchende Bein so, daß dieses während des Prüfvorganges nicht rotiert werden kann. Mit seiner anderen Hand fixiert er die gleichseitige Beckenschaufel des Untersuchten. Er beugt jetzt das im Knie gestreckte Bein des Patienten im Hüftgelenk so weit an, bis er die beginnende Beckenkippung spürt.

Der Test muß bei stärkeren Muskelverkürzungen häufig abgebrochen werden, weil der Patient einen ziehenden Schmerz auf der Oberschenkelrückseite angibt.

3. M. piriformis

Bei Periarthropathien der Hüfte besteht oft eine Verkürzung des M. piriformis, der schwer zu testen ist.

Eine orientierende Untersuchung kann durch Palpation des Muskels durchgeführt werden. Hierzu liegt der Patient in flacher Bauchlage auf der Untersuchungsliege und hält die Beine gestreckt, die Füße hängen über den Rand der Untersuchungsliege hinaus, so daß die Knie nicht gebeugt sind.

Der Untersucher tastet mit einer Hand den Muskel tief in der Gesäßmuskulatur zwischen der hinteren oberen Darmbeinspitze und dem Tuber ischiadicum in kaudaler und medialer Richtung. Mit seiner anderen Hand beugt er das Bein des Untersuchten im Kniegelenk und führt Rotationsbewegungen in der Hüfte durch. Hierbei spürt er mit der tastenden Hand die rollende Bewegung des M. piriformis. Der Patient gibt dabei oft Druckschmerzen an.

Bei einer weiteren Testung liegt der Patient flach auf dem Rücken und hält das nicht untersuchte Bein gestreckt. Der Untersuchende ergreift mit beiden Armen das zu untersuchende Bein, beugt die Hüfte bis ca. 60 Grad und fixiert dabei das Becken des Untersuchten durch leichten Druck in der Längsachse des Oberschenkels.

Der Unterschenkel des untersuchten Beines muß horizontal gehalten werden. Der Untersucher führt dann passiv eine Innenrotation im Hüftgelenk durch und abduziert dabei das untersuchte Bein maximal. Hierbei kann das Ausmaß der möglichen Innenrotation in Adduktion sowie die dabei auftretende Muskelspannung bewertet werden. Außerdem gibt der Patient möglicherweise Schmerzen an.

Muskelfunktionsprüfungsleitfaden

1- In Schrittstellung, die der Position der Eigendehnung entspricht, kann ein Seitenvergleich vorgenommen werden.

2- Die genauere Prüfung erfolgt im Sitz bei gestrecktem Kniegelenk, wobei die Hand des Prüfers das Fersenbein umfassen sollte.

Eine ausreichende Dehnfähigkeit liegt vor, wenn die Beugestellung im oberen Sprunggelenk mehr als 90 Grad beträgt.

3- Wird die tiefe Hockstellung ohne ein Abheben der Fersen erreicht, kann eine weitere Prüfung entfallen. Gelingt dies z. B. wegen ungünstiger Körperproportionen nicht, ist eine genauere Prüfung vorzunehmen.

4- Die genauere Prüfung erfolgt in der Bauchlage bei gebeugtem Kniegelenk, wobei die Hand des Prüfers das Fersenbein umfassen sollte.

Eine ausreichende Dehnfähigkeit liegt vor, wenn die Beugestellung im oberen Sprunggelenk mehr als 90 Grad beträgt.

5- Eine grobe Beurteilung der Kraft kann bei mehrmaligem einbeinigen Zehenspitzenstand erfolgen (mind. 5 *), wobei genau auf eine Varisierung bzw. Valgisierung des Fersenbeines geachtet werden sollte.

Eine differenzierte Prüfung m. soleus kann aus dem einbeinigen Hockstand zusätzlich durchgeführt werden.

6- In der Rückenlage wird ein Bein bei gestrecktem Kniegelenk in die Hüftbeugung geführt. Das Gegenbein liegt gesteckt auf und darf die Ausgangsposition nicht verlassen.

Bewertung:

5 = 90 Grad und mehr Hüftbeugung

4 = 80 Grad Hüftbeugung

3 = 70 Grad Hüftbeugung

7- In der Bauchlage wird gegen den Widerstand des Prüfers die Ferse zum Gesäß gezogen. Dabei darf das Becken nicht kippen!

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist. Wichtiger ist der Seitenvergleich!

8- In der Rückenlage bei maximaler Hüftbeuge der einen Seite wird das Gegenbein in die Hüftstreckung geführt, die nicht durch die Auflagefläche behindert sein darf.

Bewertung:

5 = deutliche Hüftstreckung wird erreicht

4 = die Horizontale wird erreicht

3 = eine sichtbare Hüftbeugestellung kann nicht überschritten werden

9- In der Rückenlage bei maximaler Hüftbeuge der einen Seite wird der Oberschenkel gegen den Widerstand des Prüfers in die Hüftbeugung gezogen.

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist. Wichtiger ist der Seitenvergleich!

10- In der Rückenlage bei maximaler Hüftbeuge der einen Seite wird der Unterschenkel aus der Hüftstreckung und Kniebeugung gegen den Widerstand des Prüfers in die Kniestreckung gedrückt.

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist. Wichtiger ist der Seitenvergleich.

11- In der Rückenlage bei angestellten Beinen (Knie- und Hüftgelenkbeugung) werden die Knie nach außen gegen die Unterlage geführt.

Die Beurteilung der Dehnfähigkeit kann nur grob erfolgen. Wichtig ist der Seitenvergleich und bei weiterer Dehnung durch den Prüfer das subjektive Dehngefühl.

12- In der Rückenlage bei maximaler Hüftbeuge der einen Seite wird das Gegenbein in die Hüftstreckung und zusätzlich Kniebeugung geführt, die nicht durch die Auflagefläche behindert sein dürfen.

Bewertung:

5 = Hüftstreckung und Kniebeugung

möglich

4 = Kniebeugung nur bis 90 Grad möglich

3 = in Hüftstreckung kaum Kniebeugung möglich

13- In der Seitenlage wird bei abgespreiztem oberen Bein das untere gegen den Widerstand des Prüfers nachgeführt. Dabei darf es zu keiner Hüftbeugung kommen!

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist. Wichtiger ist der Seitenvergleich!

14- In der Bauchlage wird bei gebeugtem Kniegelenk auf einer Linie zwischen dem Kreuzbein und dem großen Rollhügel mit den Fingerkuppen Druck in die Tiefe ausgeübt.

Findet man bei der Innenrotation im Hüftgelenk vermehrten Widerstand, so kann eine Verkürzung des m. piriformis angenommen werden. Eine weitere Bewertung entfällt!

15- Im Sitz mit gebeugten Kniegelenken wird der Unterschenkel gegen den Widerstand des     Prüfers zum anderen Bein gezogen. Dabei darf es zu keiner Adduktion des Oberschenkels kommen!

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist. Wichtig ist der Seitenvergleich!

16- In der Bauchlage mit gebeugtem Kniegelenk einer Seite wird der Oberschenkel gegen den Widerstand des Prüfers in Hüftstreckung geführt. Dabei darf es zu keiner Rotation im Hüftgelenk kommen.

17- In der Seitenlage wird bei leicht gebeugtem, unten liegendem Bein das obere Bein gestreckt gegen den Widerstand des Prüfers abgespreizt. Dabei darf es zu keiner Hüftbeugung kommen.

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist. Wichtiger ist der Seitenvergleich!

18- In der Rückenlage werden  aus 90 Grad  Hüftbeugung die gestreckten Beine  langsam abgesenkt. das Becken soll dabei in  Aufrichtung gehalten werden.

Bewertung:

5 = Die Beckenaufrichtung kann bis zum Ablegen der Beine gehalten werden

4 = bis 80 Grad

3 = bis 70 Grad

19- In der Seitenlage fixiert der Prüfer die  Beine und  das Becken, worauf  eine Seitneige gegen die Schwerkraft erfolgt.

Bewertung:

5 = Abheben des gesamten Rumpfes gelingt

4 = Abheben gelingt nur bis zur Mitte der Brustwirbelsäule

3 = Nur der Schultergürtel kann von der Unterlage gelöst werden

20- In der Rückenlage bei maximal gebeugten Hüft- und Kniegelenken wird durch verstärkten Druck gegen die Füße eine weitere Krümmung der Wirbelsäule herbeigeführt.

Die Beurteilung der Dehnfähigkeit kann nur grob  erfolgen. Sie richtet sich nach dem subjektiven Dehngefühl.

21- In der  Bauchlage (das Becken liegt nicht auf) werden die überhängenden Beine bei  gebeugten Kniegelenken und  das Gesäß bis zur Horizontalen geführt. Der Prüfer gibt dabei am Becken Widerstand.

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen, da sie stets subjektiv ist.

22- Im Sitz wird der Kopf in Seitneige geführt, dann  die gegenseitige  Schulter nach unten gedrückt.

Die Beurteilung kann nur grob erfolgen. Sie richtet sich nach dem Widerstand in der Dehnstellung und dem Subjektiven Dehngefühl.

23- In der Bauchlage mit einem Arm in Seithalte wird das gleichseitige Schulterblatt zur Wirbelsäule gezogen  und gegen den Druck des Prüfers am gestreckten Arm stabilisiert.

Die Beurteilung kann nur grob erfolgen. Sie orientiert sich am Beginn der Ausweichbewegung, die mit der anderen Hand kontrolliert wird.

24- In der Rücklage bei angestellten Beinen wird ein Arm in der  Außenrotationsstellung rückgeführt. Dabei darf keine Ausweichbewegung der Brustwirbelsäule erfolgen.

Bewertung:

5 = der Arm  kann bis auf die Unterlage abgelegt werden

4 = bis auf 10 Grad rückgeführt werden

3 = bis auf 20 Grad rückgeführt werden

25- In der Bankstellung bei leicht gebeugten Ellenbogen wird das Rumpfgewicht nach vorne über die stützenden Hände verlagert.

Die Beurteilung der Kraft kann nur grob erfolgen. Sie orientiert sich an der Ausweichbewegung der Schulterblätter, die durch ein Abheben des unteren Schulterblattwinkels sichtbar wird.

Tags: Dysbalancen | Muskulatur





 
 
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