Grenzen der Belastbarkeit
Grenzen der Belastbarkeit aus sportorthopädischer Sicht am Beispiel Schwimmen
Die beim Schwimmen gesetzte Belastungen treffen auf unterschiedliche Voraussetzungen beim Individuum, z. B. hinsichtlich Alter, Körperbaumerkmalen, aktuellem Trainingszustand, langjährige Anpassungserscheinungen des Bewegungsapparates an sportliche Belastung, Vorerkrankungen und Vorschädigungen des Bewegungsapparates. Daher bedeuten gleiche Belastungen z. B. durch ein Schwimmtrainingsprogramm unterschiedliche Beanspruchungen des Bewegungsapparates des einzelnen Schwimmers.
Das Belastungsprofil der Sportart Schwimmen stellt sich folgendermaßen dar:
- zyklische Bewegungen,
- überwiegend konzentrische Arbeitsweise der Muskulatur bei relativ niedrigen Widerständen (Wasserwiderstandskraft eines geschleppten Schwimmers bei 1,7 m/s knapp 100 N - entspricht 10kg),
- sehr hohe Wiederholungszahl bei im Leistungssport hohen Trainingsumfängen,
- obere Extremität stellt in drei von vier Schwimmarten Hauptantriebsmuskulatur,
- erfordert neuromuskuläre Anpassung an die speziellen Bedingungen des Umgebungsmediums Wasser (statt Gravitation Auftrieb und Wasserwiderstand),
- erfordert oder fördert überdurchschnittliche Beweglichkeit in Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Schulter und Wirbelsäule.
Akute Verletzungen und Überlastungen der Strukturen des gesunden Bewegungsapparates sind durch die Sportart Schwimmen mit dem dargestellten Belastungsprofil nicht zu erwarten.
Durch Änderungen im Trainingsregime, Trainingspausen, Training unter Ermüdung kann es zur Dekompensation von sportarttypischen Veränderungen im arthromuskulären und neuromuskulären Gleichgewicht kommen, die zu Beschwerden und strukturellen Schäden führen können.
Zusätzliche Verletzungen oder Vorschädigungen können bei gleicher äußerer Belastung unphysiologisch hohen Beanspruchungen der Strukturen des Bewegungsapparates bedeuten und dadurch zu Beschwerden oder strukturellen Schäden führen.
Beispielhaft angeführt seien hier:
1. Grenzen der Belastbarkeit des Knochens im lumbosakralen Übergangsbereichs bei
Vorliegen einer Skoliose oder M. Scheuermann:
Die vorliegenden Veränderungen bedeuten eine Teilfixierung von Abschnitten der Wirbelsäule, die durch die angrenzenden Bereiche (in diesem Fall insbesondere des lumbosakralen Übergangs) kompensiert werden muß. Dadurch kann es zu Kapselbandlockerungen und muskulärer Überlastung mit Beschwerden kommen und sich eine Spondylolyse/-Olisthesis bei Lf i. S. einer Streßfraktur entwickeln.
2. Grenzen der Belastbarkeit der Sehnen und des Kapselbandapparates der Schulter:
Sportarttypische Verschiebung des muskulären Gleichgewicht der Rotatorenmanschette zugunsten der Innenrotatoren. Oft zusätzlich Auslängung des Kapselbandapparates durch die sportartspezifischen Belastungen oder zusätzliches Training. Gelegentlich müssen bestehende Teilfixierungen der Brustwirbelsäule oder eine Schulterprotraktion durch eine ventrale Instabilität der Schulter kompensiert werden, um die notwendigen Gesamtbewegungsausmaße zu erreichen. Treten zusätzliche Verletzungen oder Änderungen des Trainingsregimes oder der Technik (z. B. bei Ermüdung) auf, so kann es zur Dekompensation des arthromuskulären Systems kommen. Aufgrund der unzureichenden Gelenksicherung treten weitere Veränderungen am Kapselbandapparat oder am Labrum glenoidale auf, die die Instabilität vergrößern. Es kann z. B. zur Impingementsymptomatik subacromial oder caracoidal, zur Bursitis, Tendinitis der Sehnen der Rotatorenmanschette oder des M. biceps caput longum kommen.
Zusammenfassung:
- Die Sportart Schwimmen beinhaltet keine unphysiologischen Belastungen für den gesunden Bewegungsapparates.
- Durch das Belastungsprofil der Sportart Schwimmen treten typische Veränderungen im Gleichgewicht und Zusammenspiel der Muskeln sowie neuro- und arthromuskuläre Anpassungen auf.
- Dekompensieren diese durch Änderungen des Trainingsregimes, Trainingspausen, Training unter Ermüdung oder durch zusätzliche Verletzungen, so können Belastungsspitzen auftreten, die funktionelle Beschwerden und/oder strukturelle Schädigungen hervorrufen.
- Vorschäden oder Vorerkrankungen des Bewegungsapparates bedeuten u.U. bei gleicher Belastungen unphysiologisch hohe Beanspruchung des Bewegungsapparates und damit funktionelle Beschwerden und/oder strukturelle Schädigungen.
- Problematisch sind dabei insbesondere solche Vorschädigungen, die die Beweglichkeit oder die Gelenksicherung in Abschnitten des Bewegungsapparates beeinträchtigen oder die in »Muskelgleichgewichte« eingreifen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|
RSS Feed abonnieren






