Substitution in Ausdauersportarten
Prof.Dr.rer.nat Klaus Baum,
Sporthochschule Köln
Substitution in Ausdauersportarten - wem nützt es?
Die individuelle sportliche Höchstleistungsfähigkeit wird durch mehrere Faktoren bestimmt: Der genetischen Vorraussetzung als vorgegebene und nicht manipulierbare Obergrenze steht eine Reihe von variablen und optimierbaren Faktoren gegenüber. Hierzu zählen neben dem eigentlichen Training regenerative Maßnahmen wie Massage oder Saunaanwendungen, psychologische Vorbereitungen auf den Wettkampf und die Ernährung. In dem Bestreben, auf allen Bereichen das scheinbar Optimale getan zu haben, greifen viele Sportler zu hochdosierten Nahrungskonzentraten. So gaben 50 von insgesamt 69 befragten Weltklasseathleten an, regelmäßig solche Präperate einzunehmen (Grandjean 1983). Die Aufnahme war so hoch, daß vor allem bei den fettlöslichen Vitaminen A und D in einigen Fällen toxische Grenzwerte erreicht wurden.
Obwohl der Deutsche Sportärztebund den Begriff »Substitution« durch seine Definition im Jahre 1983 deutlich von Doping abgrenzt, befindet sich in der Praxis oftmals in einer Grauzone zwischen Ernährung und Doping. Diese Problematik wurde von Heck und Schulz (1997) überzeugend am Beispiel Keratin-Supplementierung dargestellt.
Ein exemplarisches Beispiel:
Beim Flüssigkeitshaushalt führen schon Reduktionen von 2% des Körpergewichts zu nachweisbaren Einschränkungen der Ausdauerleistungsfähigkeit (Armstrong et al. 1985). Schweißverluste von 1 bis 1,5 Litern in der Stunde sind bei gemäßigten klimatischen Bedingungen zu erwarten, bei hohen Außentemperaturen kann dies noch deutlich übertroffen werden. Die damit verbundenen Elektolytverluste sind dagegen in Relation zum Gesamtkörper-Bestand nur für das Natrium erwähnenswert, während die Verluste von Kalium, Magnesium und Kalzium nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Der Kaliumverlust der arbeitenden Muskelzellen wird als ein limitierender Leistungsfaktor diskutiert, er läßt sich aber durch die Zufuhr von Kalium nicht verhindern. Die Plasmakonzentration liegt während der Belastung über dem Ruhewert und sinkt nach Arbeitsende vorübergehend darunter, was auf eine erhöhte Aktivität der NA/K - ATPase zurückgeführt werden kann.
Ähnliches gilt für das Magnesium: Anfang der 70er Jahre wurden nach dem Boston-Marathon bei den untersuchten Athleten erniedrigte Plasma-Konzentrationen nachgewiesen (Rose et al. 1970). Diskutiert wurde dies als ein Magnesium-Verlust über den Schweiß und eine entsprechende Substitution vorgeschlagen. Einige Zeit später konnten Refsum et al. (1973) zeigen, daß dem Phänomen kein Verlust des Gesamtzustandes, sondern eine Umverteilung vom Blutplasma in die Erythrozyten zugrunde lag. Wie beim Kalium ist auch beim Magnesium die Umverteilung nach Belastungsende reversibel. Hohe Elektrolydkonzentrationen in der Trinkflüssigkeit erscheinen daher kaum nützlich, sie können stattdessen die Resorption der Flüssigkeit verzögern und im schlimmsten Fall Übelkeit und Diarrhöe hervorrufen.
Um abschließend auf den Titel zurückzukommen: Bei einer energetisch ausgeglichenen Mischkost gibt es keinerlei seriöse Hinweise, daß die Einnahme von Supplementen beim gesunden Sportler zu einer Leistungsverbesserung führt.
Hier läge der Nutzen auf Seiten der produzierenden Industrie. Eine andere Situation liegt jedoch bei einer über längere Zeit durchgeführten hypokalorischen Diät vor, bei der es ohne Bilanzierung der einzelnen Nahrungsbestandteile zu Mangelerscheinungen kommen kann.
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