| Irre - Wir behandeln die Falschen 23/06/2010
|
Muskelverletzungen im Sport 18/06/2010 Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt / | andere Artikel
| ||
Olympische Prinzipien der Hoffnung

Peking hat es wieder gezeigt: Die modernen Olympischen Spiele haben mit denen der alten
griechischen nichts mehr zu tun, auch wenn immer wieder versucht wird, an sie anzuknüpfen. Es
sind Spiele unserer Zeit, nicht besser und nicht schlechter als die Welt, in der wir leben. Man wird
sie nicht ändern, ohne den Mut und die Kraft zu haben, auch unsere Welt zu ändern.
Die Olympische Bewegung versucht die Darstellung einer menschlichen Welt. Sie wird jedoch
überfordert, wenn man von ihr die Humanisierung unserer Welt erwartet. Sie kann daran nur
mitwirken. Nichts wäre in diesem Prozess deshalb verkehrter, als eine falsche Idealisierung. Sie
würde nur die eigentlichen Motive für das universelle Interesse an den Olympischen Spielen
verzerren, ein weltumfassendes sportliches Turnier der Völker zu erleben.
Den Griechen haben die Olympischen Spiele ihren Frieden gebracht. Prof. Ulrich Sinn,
klassischer Archäologe in Würzburg, sagt inzwischen allerdings etwas anderes: Heute können sie
nur noch Hoffnung auf Frieden ausdrücken, selbst Frieden zu stiften vermögen sie nicht. Dies hat
der Anschlag der palästinensischen Terroristen am 5. September 1972 in München weltweit
vorgeführt. Wer will außerdem verhindern, dass gelegentlich aus Interesse ungezügelter
Fanatismus, aus Nationalgefühl purer Showinismus, aus Wettstreit heiße Schlachten für die
Nation und aus Medaillenbändern leuchtende Spruchbänder für Gesellschaftssysteme werben?
Wir alle kennen den lautstarken Alarm der in solchen Fällen gegeben wird. Die einzig richtige
Antwort ist der bewährte Grundsatz: Missbrauch hebt den geordneten Gebrauch nicht auf! Die
innere Würde eines Ideals schwankt nicht mit dem Barometer von Statistiken, die jeweils
aussagen, ob eine kleine Minderheit oder eine breite Masse ihm die Treue halten. Worauf es
vielmehr ankommt, ist, durch das persönliche Beispiel für die Olympischen Spiele der Hoffnung
einzutreten. Sie waren schließlich stark genug, viele Krisen und Kriege zu überleben und die
Sehnsucht des Menschen nach Frieden und Freundschaft um die Welt zu tragen.
Trotz aller Skepsis, Kritik und Widersprüchlichkeit haben wir deshalb auch kein Recht zu
verzagen, nur weil einige Krisenfeuer brennen oder Probleme ungelöst sind. Sollten wir nicht auch
alle bereit sein, uns gegenseitig zu versprechen, menschlich zu sein und zu bleiben, wo immer im
Leben gestritten werden muss und um Rangordnungen auch weiterhin gekämpft werden soll? In
der Olympischen Bewegung steckt der Entwurf einer solchen Utopie, was allgemein sein sollte,
aber nicht ist, ohne das wir das Streben danach aufgeben. Vielleicht liegt hier der tiefere Grund für
die Faszinationskraft im Sinn des Sports.
Karlheinz Gieseler
griechischen nichts mehr zu tun, auch wenn immer wieder versucht wird, an sie anzuknüpfen. Es
sind Spiele unserer Zeit, nicht besser und nicht schlechter als die Welt, in der wir leben. Man wird
sie nicht ändern, ohne den Mut und die Kraft zu haben, auch unsere Welt zu ändern.
Die Olympische Bewegung versucht die Darstellung einer menschlichen Welt. Sie wird jedoch
überfordert, wenn man von ihr die Humanisierung unserer Welt erwartet. Sie kann daran nur
mitwirken. Nichts wäre in diesem Prozess deshalb verkehrter, als eine falsche Idealisierung. Sie
würde nur die eigentlichen Motive für das universelle Interesse an den Olympischen Spielen
verzerren, ein weltumfassendes sportliches Turnier der Völker zu erleben.
Den Griechen haben die Olympischen Spiele ihren Frieden gebracht. Prof. Ulrich Sinn,
klassischer Archäologe in Würzburg, sagt inzwischen allerdings etwas anderes: Heute können sie
nur noch Hoffnung auf Frieden ausdrücken, selbst Frieden zu stiften vermögen sie nicht. Dies hat
der Anschlag der palästinensischen Terroristen am 5. September 1972 in München weltweit
vorgeführt. Wer will außerdem verhindern, dass gelegentlich aus Interesse ungezügelter
Fanatismus, aus Nationalgefühl purer Showinismus, aus Wettstreit heiße Schlachten für die
Nation und aus Medaillenbändern leuchtende Spruchbänder für Gesellschaftssysteme werben?
Wir alle kennen den lautstarken Alarm der in solchen Fällen gegeben wird. Die einzig richtige
Antwort ist der bewährte Grundsatz: Missbrauch hebt den geordneten Gebrauch nicht auf! Die
innere Würde eines Ideals schwankt nicht mit dem Barometer von Statistiken, die jeweils
aussagen, ob eine kleine Minderheit oder eine breite Masse ihm die Treue halten. Worauf es
vielmehr ankommt, ist, durch das persönliche Beispiel für die Olympischen Spiele der Hoffnung
einzutreten. Sie waren schließlich stark genug, viele Krisen und Kriege zu überleben und die
Sehnsucht des Menschen nach Frieden und Freundschaft um die Welt zu tragen.
Trotz aller Skepsis, Kritik und Widersprüchlichkeit haben wir deshalb auch kein Recht zu
verzagen, nur weil einige Krisenfeuer brennen oder Probleme ungelöst sind. Sollten wir nicht auch
alle bereit sein, uns gegenseitig zu versprechen, menschlich zu sein und zu bleiben, wo immer im
Leben gestritten werden muss und um Rangordnungen auch weiterhin gekämpft werden soll? In
der Olympischen Bewegung steckt der Entwurf einer solchen Utopie, was allgemein sein sollte,
aber nicht ist, ohne das wir das Streben danach aufgeben. Vielleicht liegt hier der tiefere Grund für
die Faszinationskraft im Sinn des Sports.
Karlheinz Gieseler
| < Zurück | Weiter > |
|---|
RSS Feed abonnieren







