Asthma bronchiale und Sport
Asthma bronchiale und Sport
Sport und körperliche Anstrengung sind für asthmakranke Patienten wegen der Gefahr des Anstrengungsasthmas mit Problemen verbunden. Über die Häufigkeit des Anstrengungsasthmas gibt es zwar unterschiedliche Angaben, prinzipiell ist jedoch bei jedem Asthmatiker mit Anstrengungsasthma zu rechnen. Für manche Patienten ist körperliche Anstrengung der hauptsächliche Trigger für die Auslösung von Atemnotzuständen. Aber auch rund 40% aller Kinder mit Rhinokonjunktivitis haben Anstrengungsasthma. Ein ähnliches Verhältnis findet sich auch bei Erwachsenen.
Anstrengungsasthma ist im Kindes- und Jugendlichenalter dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb von 8 bis 10 Minuten nach einer körperlichen Anstrengung Atemnot auftritt, die durch eine Bronchialobstruktion hervorgerufen wird. Bei Erwachsenen wird das Maximum der Obstruktion erst 5 bis 10 Minuten nach Beendigung der sportlichen Betätigung erreicht. In einer anschließenden Ruhephase klingt das Anstrengungsasthma in spätestens 20 bis 30 Minuten wieder ab. Vereinzelt wird von Spätreaktionen nach körperlicher Belastung berichtet, die nach 4 bis 12 Stunden auftreten können.
Dies ist jedoch eher ungewöhnlich und meistens nur sehr gering ausgeprägt sowie keineswegs vergleichbar mit der Spätreaktion nach Allergenprovokation.
Anstrengungsasthma erklärt sich aus der Überempfindlichkeit des Bronchialsystems - einem jedem Asthma zu Grunde liegendes Problem. Die vermehrte Atemarbeit während körperlicher Betätigung führt zu einem Verlust von Wärme und Wasser und somit zu einer Osmolaritätsänderung in der Atemwegsschleimhaut. Diese Osmolaritätsänderung ist der entscheidende Auslösefaktor zur Bronchialobstruktion auf dem Boden der Überempfindlichkeit.
Diagnostische Sicherung eines Anstrengungsasthmas:
Bereits bei der Anamnese muss der Verdacht auf Anstrengungsasthma geäußert werden, wenn bei körperlicher Belastung Hustenattacken oder Thoraxschmerzen eintreten, oder giemendes und pfeifendes Atemgeräusch bei Kindern zu hören ist. Im Lungenfunktionslabor kann das Anstrengungsasthma nicht immer ermittelt werden. Nur ein wenigstens achtminütiges Laufen auf dem Laufbandergometer mit konstanter Geschwindigkeit, bei normaler Raumtemperatur, und mindestens 70% des maximalen Pulses ohne stufenweise Anpassung kann das Anstrengungsasthma auslösen.
Welche Empfehlungen kann man als Betreuender geben?
Zunächst ist es bei einem gut eingestellten Asthmatiker nicht indiziert, Sport generell zu verbieten. Natürlich gibt es Phasen der Instabilität während oder nach Infektsituationen oder andere Gründe, warum man vorübergehend vom Sport und körperlichem Training abrät.
Generell sollte aber jeder Asthmatiker an sportlichen Aktivitäten und am Training teilnehmen, sofern die im weiteren aufgeführten Vorsichtsmaßregeln Beachtung finden.
Zuerst muss der Grad des Anstrengungsasthmas ermittelt werden und ein geeigneter Belastungstest durchgeführt werden. In diesem Fall wäre die Überweisung zu einem Facharzt zu erwägen, der auch ausgefeiltere Diagnostik betreiben kann, etwa das Messen bodyplethysmografischer Werte. Dabei kann nicht nur die Obstruktion, sondem auch die Überblähung ermittelt werden, da bei manchen Patienten nach der Belastung weniger eine hörbare Obstruktion als vielmehr ein "silent chest" mit der Gefahr des Sauerstoffdruckabfalls resultiert. Auf diese Form des Anstrengungsasthmas ist besonders zu achten.
Weiterhin stehen seit einiger Zeit einfache und billige Geräte zur Verfügung, mit denen sich der Patient selbst testen kann.
Diese so genannten Peak-flow‑Meter sind mit Blutdruckmessgeräten bei Hypertonikem vergleichbar, sie sind einfach anzuwenden und aussagekräftig. Sie lösen das Perzeptionsproblem vor und während der Sportausübung, denn leider schätzen auch langjährige Asthmatiker vor allem bei sportlicher Betätigung ihre sportliche Leistungsfähigkeit falsch ein.
Ein dritter wesentlicher Aspekt, der vor Beginn einer sportlichen Empfehlung vom Arzt mit dem Patienten besprochen werden muss, ist die Möglichkeit der Prämedikation und überhaupt der medikamentösen Einstellung. Nach der Empfehlung der Deutschen Liga zur Bekämpfung von Atemwegserkrankungen sind inhalativ verabreichte Medikamente in erster Linie geeignet, die Bronchiokonstriktion zu beheben bzw. ihr vorzubeugen. In erster Linie ist daher DNCG (Intal) zu erwähnen, das eine gute Prävention der Atemwegsobstruktion bietet. Beta-Mimetika sind gleichfalls für die Prävention gut geeignet und haben zudem einen broncholytischen Effekt. Der Patient muss informiert sein, welches Medikament eher präventiv und welches Medikament broncholytisch wirkt.
Empfehlungen für die Durchführung einer Sportstunde
Aufwärmphase ("Warming up ") ohne Zwang!
Aufwärmen zu Beginn der Sportstunde ist aus vielerlei Gründen sinnvoll. Für asthmakranke Kinder und Jugendliche ist eine ausreichend lange Aufwärmphase der sicherste Garant für das Ausbleiben einer Atemwegsobstruktion.
Plötzlicher Belastungsbeginn (Kaltstart) führt aufgrund der Peitschenwirkung plötzlicher Belastung auf das Atemwegssystem schnell zur Obstruktion. Wie erwähnt, will man das nur im Belastungstest, um das Ausmaß des Anstrengungsasthmas zu ermitteln. Bereits bei solchen Tests wirken sich modifizierte Aufwärmphasen - stufenweiser Belastungsanstieg - "günstig" aus, so dass der Anstrengungsasthmatiker sein Anstrengungsasthma unterlaufen kann.
Gerade diese Aspekte müssen in einer ausreichend lang bemessenen (wenigstens 15 Minuten dauernden ) Aufwärmphase zu Beginn der Sportstunde ausgenützt werden. Geschickte Sportlehrer oder Physiotherapeuten reichern diese Aufwärmphase mit spielerischen Elementen an, so dass nichts zwanghaftes oder langweiliges entsteht.
Intervalltraining nach Maß!
Das Anstrengungsasthma hat eine Refraktärperiode , die individuell unterschiedlich ausgeprägt sein kann Nach Ende einer definierten Belastung und nachfolgender Erholung des Patienten kann bei einer eine erneuten identischen Belastung der vorher gemessene Obstruktionsgrad in der Regel nicht wieder erreicht werden. Diese reproduzierbare Refraktärperiode wird seit einiger Zeit in der Sporttherapie zum Aufbau eines Intervalltrainings genutzt. Allerdings ist ein stures Intervalltraining (Belastung - willkürlich Pause - Belastung) wohl nicht die ideale Form, um Asthmatiker zu trainieren. Gut geht es dann, wenn die gewählte Sportart solche Pausen zwanglos ermöglicht oder wenn zumindest extensive Belastungsphasen sich mit intensiven abwechseln.
Auswahl geeigneter Sportarten
Schon im Lungenfunktionslabor lässt sich feststellen, dass verschiedene Belastungsarten unterschiedlich asthmogen sind. Belastungen auf dem Fahrradergometer führen nur bei schweren Asthmatikern zum Anstrengungsasthma und sind für einen Belastungstest kaum geeignet.
Besser geht es mit dem Laufbandergometer, das als Standardmethode gut geeignet ist, einen noch stärkeren Obstruktionsreiz zu erzeugen. Noch asthmogener sind plötzliche und schnelle Spurts in freiem Gelände. Nicht unwesentlich sind dabei Umgebungsfaktoren. Vor allem im Schwimmsport können enorme Leistungen erzielt werden. Besondere Vorsicht bei Wettkampfsportarten!
Untersuchungen haben gezeigt, dass willkürliche Hyperventilation im Vergleich zu motivationsbetonter sinnvoller Hyperventilation bei körperlicher Anstrengung höhere Obstruktionsreize setzen kann. Motivierte arbeitsbedingte Hyperventilation führt zu einem Ausstoß adrenerger Hormone und damit in gewisser Hinsicht zu einer Eigen-Lyse der Bronchokonstriktion.
Allerdings haben die Wettkampfsportarten den entscheidenden Nachteil, dass die mangelnde Wahrnehmung (Perzeption) der beginnenden Bronchokonstriktion eingerechnet werden muss. Den Ehrgeiz lenken - Belastungen nur submaximal!
Wenngleich chronisch asthmakranke Patienten beschrieben werden, die enorme sportliche Leistungen vorweisen können, soll es nicht das Ziel sein, Kinder und Jugendliche bis zur völligen Erschöpfung zu treiben.
Belastungen weit im submaximalen Bereich, vor allem mit Betonung des Ausdauertrainings, reichen völlig aus, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
Werden maximale Belastungen angesteuert, besteht jederzeit die Gefahr eines Asthmaanfalles.
Man muss jede Sportstunde mit einer Abklingphase richtig "auslaufen" lassen!
Am Ende der Sportstunde sollte die Belastung nicht abrupt abbrechen, sondern in einer Abklingphase auslaufen. Dabei können in spielerischer Form Elemente der krankengymnastischen Atemtherapie eingebracht werden, etwa Übungen mit Lippenbremse, atemerleichternde Körperhaltungen und dergleichen. Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt ist dabei auch die Eigenart mancher Anstrengungsasthmatiker, erst fünf bis zehn Minuten nach Belastung mit der maximalen Obstruktion zu reagieren. Bricht nun die Sportstunde abrupt ab, und der Sportlehrer verabschiedet sich, dann kann er möglicherweise etwas später auftretende Problemphasen nicht mehr kontrollieren. Wesentlicher Effekt der Sporttherapie ist es, die Auslöseschwelle des Asthmas nach oben zu verschieben.
Obwohl bei jedem asthmakranken Patienten mit Anstrengungsasthma zu rechnen ist, stellen Schonung und Vermeidung jeder körperlichen Anstrengung nicht die Lösung des Problems dar. Durch dosierte körperliche Trainingsprogramme lässt sich aber jeder Asthmatiker in den Schulsport integrieren und kann geeignete Freizeitsportarten sogar bis zu überdurchschnittlichen Leistungen mitmachen. Die Sporttherapie ist heute ein integraler Bestandteil eines erfolgreichen, aktiven Rehabilitationsprogrammes bei chronisch asthmakranken Patienten. Sie führt zwar nicht zur Verminderung der Hyperreaktivität, auch nicht zu einem "Wegtrainieren" des Anstrengungsasthmas, wohl aber zu einer Verschiebung der Auslöseschwelle, bei der das Anstrengungsasthma auftritt. Der Aktionsradius des Patienten steigt mitunter erheblich, der Patient gewinnt wieder Vertrauen zu sich selbst und seiner eigenen Leistungsfähigkeit.
Josef Lecheler
Tags: Asthma bronchiale | Sport
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