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Glücksmomente, Erdbeben und fades Essen

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Michaela Floeth aus Schlitz holte bei der Behinderten-WM in Neuseeland Kugelstoß-GoldMichaela_Floeth_aus_Schlitz_holte_bei_der_Behinderten-WM_in_Neuseeland_Kugelsto-Gold
FULDA
Leichtathletin Michaela Floeth hat bei der Behin­derten-WM in Neusee­land ihrer sowieso schon imposanten
Medaillen­sammlung eine weitere Goldmedaille im Kugel­stoßen hinzugefügt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt die 41-jährige Unterschen­kelamputierte aus Schlitz von dem Wettkampf, un­vergessenen Erlebnissen am anderen Ende der Welt und ihrem Traum von London 2012.

Die Goldmedaille und beeindruckende Bilder brachten Michaela Floeth und ihr Ehemann Uli Niepoth aus Neuseeland mit. Fotos: privat

Von unserem Redaktionsmitglied
FLORIAN LEIDHEISER

"Fuldaer Zeitung"

Michaela Floeth hat es mal wieder allen gezeigt – der Konkurrenz und auch sich selbst. Als sie die Kugel bei der WM in Christchurch auf bravouröse 12,56 Meter stößt, ist klar: Die 41-Jährige wird ihren Titel verteidigen. Es ist ihre sechste Goldmedaille bei einer WM. Zuvor hatte sie schon Gold bei den Paralympics in Sydney 2000 und mehrere Titel bei Europameisterschaften errungen. Wie hoch gerade der WMTitel einzuschätzen ist, wird im Gespräch mit der Frau – die  offenbar ein Abonnement auf sportlichen Erfolg hat – deutlich: „Mit einer Medaille habe ich geliebäugelt, aber nicht mit Gold", sagt Floeth. Rückblende: Die vergangene Saison läuft alles andere als optimal. Floeth hat Probleme mit der Technik. Im Juli legt sie die Kugel vorerst ganz beiseite. Ende August steigt sie wieder ein, trainiert hart, findet zu ihrer Form zurück. „Im Training in Neuseeland habe ich dann Bestleistung gestoßen. Das hat mir Sicherheit gegeben", erzählt die 41-Jährige. Es folgt der Wettkampftag: Floeth hört Musik, ist in sich gekehrt, spricht nur das Nötigste. „Es gibt Athleten, die reden gleich mit jedem, ich tue das nicht", sagt Floeth. Oft wisse sie auch gar nicht, wie die Konkurrenz gestoßen hat. „Es beeindruckt mich nicht, wenn jemand weit stößt. Ich schaue nur auf mich." Damit hat Floeth Erfolg: 12,56 Meter – Gold. „Die Hymne zu hören und die Medaille umgehängt zu bekommen, ist schon ein toller Moment", schwärmt sie. Außer dem Sportlichen erleben Michaela Floeth und ihr Mann, Physiotherapeut Uli Niepoth, in Neuseeland weitere Glanzlichter. Sie schwimmen mit Delfinen, beobachten bis zu 20 Meter große Pottwale, besichtigen eine Seelöwenkolonie und heiße Quellen. Dutzende Bilder hat das Paar in Neuseeland geschossen. „Aber in Natura sieht das alles noch viel gigantischer aus. Wie im Film ,Der Herr der Ringe'", sagt Floeth, die die Wetterkapriolen hervorhebt: „Es war 15 Grad, bewölkt und sehr windig und ein paar Stunden später 30 Grad und herrlicher Sonnenschein." Richtig mulmig wurde ihr bei drei Erdbeben. Eines davon hatte die Stärke 5,1. „Das war nicht mehr lustig. Wir wohnten im siebten Stock. Das Hotel wackelte hin und her wie eine Schiffschaukel." Die Beben sind in Neuseeland an der Tagesordnung. Wo Fremde zusammengezuckt sind, seien die Einheimischen ganz normal ihrer Arbeit nachgegangen, erzählt Floeth. Um den Hotel-Kraftraum zu benutzen, musste sie sich in eine Liste eintragen. „Damit klar ist, wer bei einem Einsturz doch vermisst wird." Sicher nicht vermissen wird Floeth das fade und einseitige Essen. „Nudeln, Nudeln, Nudeln: Ich konnte sie nicht mehr sehen. Bei uns gibt es jetzt ein halbes Jahr keine mehr", scherzt Floeth. „Und es wurde immer ohne Gewürze gekocht. Ich glaube auch, unser Hotel hat noch nie soviel Salz gebraucht wie in diesen Tagen", sagt sie. Dass das Essen bei den Paralympischen Spielen 2012 in London merklich besser wird, ist zumindest anzuzweifeln. Bis jetzt ist noch nicht mal klar, ob680 Floeth überhaupt in London starten kann. Das liegt nicht in ihrer Hand. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erwägt, das Kugelstoßen rauszunehmen. „Da werden manchmal komische Entscheidungen getroffen. Es ist keine schöne Situation, wenn man nicht selbst entscheiden kann, ob man aufhört oder nicht", sagt Floeth, die zudem kritisiert, dass die geistig Behinderten in London 2012 mitmachen sollen. „Ich finde das sehr bedenklich. Es gibt oft keinen Unterschied zu Nicht- Behinderten. Manche sind bei der WM taktisch gelaufen, was man so ja eigentlich nicht erwarten kann." Problem sei, dass es kein ausgeklügeltes System gebe, welche Athleten letztlich startberechtigt sind und welche nicht. Floeths eigene Karriereplanung ist derzeit etwas in der Schwebe. Sie hofft, dass ihre Disziplin bei den Paralympics 2012 bestehen bleibt. „Denn London 2012", sagt Floeth, „wäre ein echter Traum."




 
 
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