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Sportärzte möchten Doping-B-Probe abschaffen

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Mehr Rechtssicherheit und Abschreckung durch eindeutigen Nachweis in der A-Probe

Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) möchte die B-Probe bei Dopingkontrollen abgeschafft haben. Im Rotkreuz-Krankenhaus in Frankfurt bei der Jahrespressekonferenz begründete Professor Jürgen M. Steinacker (Ulm) die Forderung: "Der Dopingfall wird konstituiert durch eine positive Probe (A-Probe). Deswegen wird die B-Probe nur die Rechtsunsicherheit verstärken und erhöht die Einkünfte von Anwälten." Der Olympia-Arzt (Rudern) folgerte aus diesem Dilemma: "Für Funktionäre wird es sehr schwer, gute Urteile zu sprechen. Die B-Probe ist einer der Anachronismen in der Dopingbekämpfung."

 

Vor 20 Jahren, als Dopingkontrollen Thema wurden und überwiegend Anabolika sowie anabole Steroide auf den Index standen, die lange Zeit gut nachweisbar waren, machte die zweite Probe Sinn, räumten die Sportmediziner ein.
Heute, angesichts der verfeinerten Präparate mit Halbwertzeiten von wenigen Stunden und
Tagen sowie zahlreichem technischen Zauber und juristischen Winkelzügen, sei das Prozedere kontraproduktiv:
Steinacker, international tätiger Internist und Orthopäde, der eine Klinik in Ulm leitet: "Dieses Prinzip richtet sich gegen die Kontrolleure. Dieses Prinzip muss irgendwann abgeschafft werden. Dieses Prinzip macht keinen Sinn mehr. Der Beweis muss in der ersten Probe liegen." Der Verzicht auf die B-Probe erhöhe zugleich den Sanktionsspielraum und Rechtssicherheit, glaubt das Führungsteam der DGSP. "Das ist auch eine Abschreckung." Ein Veto gegen die Abschaffung der B-Probe kam von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) in Bonn:
"Die B-Probe dient weltweit dem Schutz der Athleten. Eine Abschaffung wäre ein
großer Rückschritt bei den Athletenrechten", mahnte Nada-Sprecherin Ulrike Spitz.
Zu 99,9 Prozent ist der Nachweis mit der A-Probe manifestiert. Vorausgesetzt, die Kontrolleure arbeiten sauber und Kontrolllabors analysieren ordentlich. Auch die Kühlkette der Proben muss stimmen, angesichts der Flüchtigkeit des Blutdopingmittels Erythropoetin (EPO) und der Peptit-Hormone (CERS). "Da müsste eine ganz strenge Kühlkette sein", die DGSP-Präsident Professor Herbert Löllgen (Remscheid) vermisst. Ulrike Spitz von der Nada sieht dieses Problem im Kontrollalltag nicht. In der Rechtsprechung ist die BProbe das Entscheidende. Doch B-Proben werden oft stiefmütterlich behandelt, sind Wärme und Licht ausgesetzt, werden - veranlasst von geschickten Juristen - wochenlang um die Welt geflogen bis sie analysiert werden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erlaubt des Dopings Beschuldigten die weltweit freie Wahl der Kontrolllabors. Dann hat sich das Hormonprotein in der Regel abgebaut, und der Nachweis gelingt nicht mehr. Die positive A-Probe wird damit hinfällig. Ein Drittel der Dopingproben enthielt 2007 kein Eiweiß mehr, was auf Manipulation hindeutet, die nicht beweisbar ist. Spuren von Spülmaschinen-Tabs zum Beispiel unter den Fingernägeln, die während der Abgabe in den Urin wanderten, was das Eiweiß abbaut, waren ein probates Mittel dafür. In Peking wurde dieser Trick durch gründliches Händewaschen vor der Kontrolle wirkungslos. Immer noch zu wenige zielgerichtete, intelligente Kontrollen und Vorkontrollen im Training und die Konzentration auf die Quantität statt auf die Qualität, auch das sehen die Sportärzte in der DGSP kritisch. Sie wissen aber: "Man darf nicht verkennen, solche Kontrollen sind nur sehr schwierig durchzuführen." Qualität und Leistungsfähigkeit aller von der Wada gleichgestellten Labors lassen ebenfalls noch genügend Schlupflöcher, die findige Juristen ausnutzen. Lediglich die renommierten Institute in Lausanne, Paris, Madrid, Köln und Toronto "messen 100 Prozent richtig", glaubt Steinacker. Er erkennt aber an: "Die Wissenschaft wird besser." Das dient dem Tempo qualifizierter Nachweise von Manipulation. Im Einzelfall sind diese heute schon entwickelt, bevor die Präparate richtig auf dem Markt sind. Das Selbstverständnis manches Arztes bereitet der Dachorganisation, die gut 10.000 Mediziner vertritt, Kopfzerbrechen. Steinacker: "Deswegen sind wir gegen die reinen Sportärzte, die nur vom Sport leben. Sie werden korrupt, weil sie abhängig sind." Etwa 150 Sportmediziner arbeiten in Deutschland im Hochleistungssport, die andern konzentrieren sich auch auf Prävention und Rehabilitation im Breiten- und Freizeitsport und in der Gesellschaft. Ingo Tusk (Frankfurt), Vizepräsident der DGSP, Fifa- und Vereinsarzt des 1. FFC Frankfurt, beschäftigt ein anderes Dilemma: "Die Schweigepflicht steht über allem. Da haben wir gar keine Handhabe." Erklärt sich ein Athlet, er habe gedopt, darf er diesen nicht anzeigen. Dem Arzt bleibt, beim Verband Zielkontrollen ohne Namenspreisgabe anzuregen oder von seinem Amt zurückzutreten.

Hans-Peter Seubert

 
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